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Die
Wiege im malerischen Balsertal
Wer
es nicht weiß, läuft achtlos an dem kleinen Holzhäuschen
vorbei, das zwischen Bäumen versteckt im Balsertal steht. Das
Häuschen gehört zum Hofgut Höfle und dient wohl heute noch
als Werkstatt. Eine Tafel im Giebel erinnert an ein Ereignis,
das dort stattgefunden haben soll: "Hier baute Uhrmacher
Ketterer 1738 die 1. Kuckucksuhr".
Wer sich in der Geschichte der Schwarzwalduhr auskennt, für
den ist die Tatsache, dass Franz Ketterer aus Schönwald die
Kuckucksuhr "erfand", nichts Neues.
Stammväter
der Uhrmacherei
Historisch
korrekt ist es sicher, von Ketterer als einem der Stammväter
der Schwarzwälder Uhrmacherei zu sprechen. Ketterer lebte auf
dem "Höfle", dem Hofgut im Baslertal, von 1736 bis
1748. Was man von ihm weiß, ist im Heimatbuch "Schönwald
in Vergangenheit und Gegenwart" von Richard Dorer zu
lesen. Er gab das Buch 1948 heraus. Fortgeführt und ergänzt
wurde das Buch von Dr. Karl Opp, der es erneut 1986
herausbrachte.
Beide Heimatbücher verweisen im Kapitel über die
Uhrmacherei auf Adolf Kistner, der in seinem Werk "Die
Schwarzwälder Uhr" (Heimatblätter "Vom Bodensee
zum Main", Nre. 31, herausgegeben vom Landesverein
Badische Heimat 1927) sowohl Franz Ketterer als auch den
Drechsler Simon Dilger aus Schollach als die
"eigentlichen Stammväter der Schwarzwälder
Uhrmacherei" bezeichnet. Für die Schönwälder steht die
Wiege der Kuckucksuhr in Schönwald. Diese Tatsache haben sie
mit der Namensgebung ihrer Festhalle gewürdigt. Sie heißt
"Franz-Ketterer-Halle".
Ketterer war den Forschungen nach nicht aus Schönwald. Er
wurde etwa 1676 geboren. 1715 heiratete er Anna Winterhalter
aus Furtwangen, die Hebamme war, und bekam mit ihr neu Kinder.
Man vermutet, dass er wohl aus Furtwangen kam. Er soll bis
1736 im Dörfle Nr. 6 (auf dem Grundstück des heutigen
Gasthauses "Zum Falken") bewohnt haben. Von dort zog
er in Höfle. Zur Familiengeschichte vermerkt das Schönwälder
Heimatbuch (erweiterte Auflage): "Von seinen 9 Kindern trägt
hier nur eines den Namen Ketterer weiter: nämlich das jüngste,
ein Franz Anton. Geboren 1734 und gestorben 1807, ist er 1757
verheiratet mit Magdalene Duffner vom Rohrbacher Eckhof (Eckleo).
Auch er ist "Uhrmacher" genannt und wohnt zunächst
dem Höfle im "Hierhüsle".
Und hier bekommen die historischen Erhebungen einen Knick:
Dieser Franz Anton ist mit Sicherheit auf dem "Höfle"
geboren, seine Eltern verließen den Hof aber schon 1748. Zum
Hofgut gehörte das "Hierhüsle" oder auch Hühnerhaus.
Geschrieben wurde auch, dass es eine Werkstatt hinter dem Haus
gab. Zog dieser Sohn Ketterers nun wieder zurück auf diesen
Hof, als er heiratete? Ist das heutige kleine Häuschen
identisch mit der Werkstatt oder dem "Hühnerhaus"?
Außerdem entdeckte schon der Heimatforscher Richard Dorer,
dass Adolf Kistner diesen Sohn fälschlicherweise als ersten
Erbauer der Kuckucksuhr nannte. Chronologisch korrekt ist das
aber der Vater, Franz Ketterer. Der Sohn des Uhrmachers Franz
Anton Ketterer, Andreas Ketterer, setzte die Tradition des
Uhrmacher-Handwerks in der Familie fort.
Historische
Erhebungen haben einen Knick
Das
Haus auf dem Höfle-Gut galt mit dem nachgewiesenen Baujahr
1509 als das älteste Schönwälder Bauernhaus. Es brannte
1947 nach einem Blitzschlag ab. Alte Fotos zeigen es mit einem
kleinen Häuschen (dem "Hühnerhaus"?) dahinter. Der
neue Hof wurde oberhalb des alten Standorts aufgebaut. Und das
kleine Haus steht, wenn man diese alten Fotos als Grundlage
nimmt, nun um 90 Grad gedreht mit dem Giebel nach Norden.
Quelle: Verein-die
Schwarzwalduhr |